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Ausstellungen

05.07.                     24.08.2012

Gianfranco Baruchello

PSICOGIM

Bei der Eröffnung am 5. Juli 2012, um 20.00 Uhr:
Gianfranco Baruchello im Gespräch mit dem Kunstkritiker Martin Holman 




Ausstellungsansichten

Gianfranco Baruchello ist ein Künstler, der seit den 50er Jahren unnachgiebig eine künstlerische Recherche betreibt, die den Irrtum, das Analoge und Banale, den Traum artikuliert, also das Versagte, Noch-Nicht-Gesagte, das Verworfene und Unwahrscheinliche. Seine Bildwelten konstituieren sich in den Leerräumen zwischen handschriftlicher Zeichnung und figurativer Enzyklopädie. Seine Objekte, Assemblagen und Schaukästen sind dreidimensionale Denkanleitungen und zugleich radikale Formeln ihrer unmöglichen Inventarisierung, seine Filme skurrile Etüden, die die Narration des Mediums ad absurdum führen. In der Landwirtschaft untersuchte er den Gebrauchs- und Tauschwert von Agrarprodukten und Kunstwerken. Im Norden von Rom hat er 1998 sein ehemaliges Atelier in eine Stiftung umgewandelt, die die künstlerische Recherche und das Experiment kollaborativ weitertreibt.

1924 in Livorno geboren, widmet sich Gianfranco Baruchello nach einem Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften und (ab 1945) einer Anstellung in der Gesellschaft zur chemisch-biologischen Erforschung und Produktion erst Ende der 50er Jahre der Kunst. 1962 nimmt er in der New Yorker Galerie Sidney Janis an der Ausstellung New Realists teil. Im selben Jahr lernt er Marcel Duchamp kennen, mit dem ihn eine lange Freundschaft verbindet. 1977 sind seine Zeichnungen auf der dOCUMENTA 6 zu sehen. Dennoch bleibt sein Werk dank seiner eigenen Verweigerungsstrategien gegenüber Markt und Erfolg jenseits der dominanten Zirkulationswege. Sein Film La Verifica incerta (1965) wird anlässlich der Internationalen Berliner Filmfestspiele 2012 von Harun Farocki als „wegweisende Arbeit des Montagefilms“ wieder entdeckt. Die Nationalgalerie in Rom widmete dem 87jährigen Künstler im vergangenen Winter eine erste große Retrospektive.

In der Villa Romana installiert Gianfranco Baruchello ein PSICOGIM, ein Sportstudio für Psyche und Geist. Der Besucher kann das Laufband benutzen und den Punching-Ball schlagen, während er sich selbst spiegelt und seine psychische Fitness anhand diverser Bildwelten, Objekte und Düfte infrage stellen mag. Parallel zeigt Gianfranco Baruchello drei Filme als Übungen, um, beispielsweise, Langsamkeit, Gleichgewicht und das Geflecht oder die Falte zu bedenken. Eine Auswahl seiner schriftlichen Übungsanweisungen (von 1975, 1981, 2006 und 2012) erscheint anlässlich der Ausstellung erstmalig als zweisprachige Publikation.

Herzlichen Dank an RAM / radioartemobile, Rom für die großzügige Kooperation.

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