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Ausstellungen

27.09.                     02.11.2012

Voices of Truth

Adrian Paci
Ibro Hasanovic
Damir Očko

Kuratiert von Adela Demetja


Ibro Hasanovic, A short story (2011), Super 16mm , 10:20 Min., Ton, Farbe (still)

 

Damir Očko, The Moon shall never take my Voice (2010), HD Video, 19:16 Min., Ton, Farbe (still)

Voices of Truth ist eine Ausstellung mit Videos von Adrian Paci, Ibro Hasanovic und Damir Očko. Mittels unterschiedlicher Strategien und Erzählstrukturen bauen sie ihre Arbeiten auf historischen und persönlichen Informationen sowie fiktionalen Elementen auf. Die Stimme, die in Damir Očkos Video fehlt, in Ibro Hasanovics Arbeit synchron zum Bild eingesetzt wird und in Adrian Pacis Video als Off-Kommentar erscheint, spielt in den Filmen für die Gestaltung von Bedeutung eine wichtige Rolle.

In The Moon Shall Never Take My Voice zeigt Damir Očko drei Geschichten aus unterschiedlichen Perioden, die er in drei Lieder für eine stumme Stimme umsetzt. Das erste Lied bezieht sich auf Gustav Mahlers Erfahrungen mit der Stille im Jahr 1907, die eine wichtige Rolle für seine unvollendete Zehnte Symphonie spielen. Das zweite Lied beschreibt John Cage’s Besuch in der echofreien Kammer der Harvard-Universität, nach dem er 4´33 komponierte; das dritte Lied erzählt hingegen von Neil Armstrong und seiner Erfahrung auf dem Mond – dem einzigen Ort der vollkommenen Stille, den der Mensch je betreten hat. Das Video - mit einem enigmatischem Ende - erforscht die Vermischung von Wahrheit und Mythos in den wahren Geschichten, die es erzählt. Es konstruiert ein poetisches Gebilde, das Realität erschafft und in dem die abwesende Stimme zur Präsenz der Abwesenheit und zur Geschichte selbst wird.

"Es ist nicht unbedingt so, dass die Geschichte die Mythologie formt, sondern vielmehr bestimmt die Mythologie, was Geschichte wird." Das sind die einleitenden Worte von A Short Story von Ibro Hasanovic. Nach der ersten Szene in einer Landschaft, die sich langsam umkehrt, beginnt ein junger Mann eine Geschichte zu erzählen, die auf einer ihm von seinem Onkel erzählten Prophezeiung beruht. Diese Geschichte wird nach einem plausiblen Anfang und einem verständlichen Mittelteil nach und nach immer komplizierter und schwieriger zu verfolgen. Es ist unmöglich, die Ereignisse zeitlich festzulegen, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschmelzen miteinander, während vor allem die Landschaftsszenen, in denen ein Wolf und Kinder erscheinen, zweideutige Elemente einführen. Die Unsicherheit, ob es sich um eine Illusion oder ein Geschehen in der erzählten Welt handelt, lässt Ibro Hasanovics Werk als einen phantastischen Film erscheinen.

Electric Blue ist Adrian Pacis erster Kurzfilm. Der Künstler erzählt eine Geschichte, die in den 1990er Jahren in Albanien spielt. Der Protagonist, den man nie zu Gesicht bekommt, spricht von seiner Erfahrung in der Pornoindustrie als einziger Möglichkeit, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Der Film vereint mehrere Erzählstränge: Die Geschichte, aus dem Off erzählt - Bilder der Welt aus der Sicht des Protagonisten - Bilder der Filmwelt auf dem Fernsehbildschirm. Fiktionale Elemente geben zusammen mit gefundenem Dokumentarmaterial eine Realität des Lebens in Albanien wieder, die komisch und absurd zugleich erscheint. Mit der Geschichte eines einzelnen Mannes beleuchtet Adrian Paci eine historische Episode der albanischen Gesellschaft.

Damir Očko, 1977 geboren, lebt und arbeitet in Zagreb, Kroatien.
In seinen Videoarbeiten untersucht er das Verhältnis von Klang, Sprache und Symbolik.

Ibro Hasanovic, 1981 in Ljubovija im ehemaligen Jugoslawien geboren, lebt und arbeitet in Brüssel. Nach einem Studium des Produktdesign und der Audiovisuellen Medien arbeitet er mit einfachen visuellen Botschaften, die schwer mit Bedeutung aufgeladen sind. 

Adrian Paci, 1969 in Shkodra, Albanien, geboren, lebt und arbeitet in Mailand. Adrian Paci nutzt sowohl Malerei, Fotografie, Skulptur wie Video für seine Erkundungen der menschlichen Existenz.

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