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21.06.2019

Villa Romana-Preisträgerinnen und Preisträger 2020 nominiert:
Özlem Altin, Lydia Hamann /Kaj Osteroth,
Alice Peragine, Amelia Umuhire
plus: erstes Artist Research Fellowship mit dem KHI, Florenz
Esper Postma

Die Künstlerinnen Özlem Altin, Lydia Hamann /Kaj Osteroth, Alice Peragine und Amelia Umuhire sind die Villa Romana-Preisträgerinnen 2020. Der Künstler Esper Postma erhält das erstmals in Kooperation mit dem Kunsthistorischen Institut in Florenz – Max-Planck-Institut vergebene fünfmonatige Artist Research Fellowship. Die Villa Romana-Preisträger werden von Februar bis November 2020 in der Villa Romana in Florenz leben und arbeiten. Die diesjährige Jury des Villa Romana-Preises, die Künstlerin Michaela Melián und Yvette Mutumba, Kuratorin und eine der beiden Chefredakteurinnen des Magazins Contemporary And, wählten die KünstlerInnen unter zwölf vorgeschlagenen Kandidatinnen und Kandidaten aus.


Özlem Altin
, 1977 in Goch geboren, lebt in Berlin. Sie studierte 2000 - 2003 an der ArtEZ Hogeschool voor de Kunsten, Arnheim und 2004-2006 am Piet Zwart Institute, Rotterdam. 2007 gründete sie den Verlag für Künstlerbücher Orient Press, Berlin. Sie entwickelt ihre Bücher ebenso wie ihre Ausstellungen aus Bildarchiven, seien es analoge oder digitale, institutionelle oder private. Sie beschneidet, collagiert, montiert, reproduziert und übermalt diese Bilder, so dass sie sich fast skulptural oder theatral in Bildensembles, in verschwiegene Konstellationen verwandeln. Özlem Altin nahm an der letzten Berlin Biennale 2018 teil und wird in diesem Herbst auf der Istanbul Biennale vertreten sein. Seit mehr als zehn Jahren stellt sie international aus, 2019 widmet ihr Kunst Meran eine Einzelausstellung, 2015 zeigte u.a. das Witte de With in Rotterdam eine monografische Ausstellung, 2010 die Fondazione Morra Greco in Neapel. Özlem Altin war in sehr vielen Gruppenausstellungen vertreten, z.B. 2013 in Das Ende des 20. Jahrhunderts, Hamburger Bahnhof, Berlin und in Salon der Angst, Kunsthalle Wien. In Italien stellte sie u.a. 2010 in der NOMAS Foundation in Rom und 2016 in der Galerie SpazioA in Pistoia aus.

Lydia Hamann (1979) und Kaj Osteroth (1977) leben in Berlin und Brandenburg. Kaj Osteroth studierte bei Stan Douglas an der Universität der Künste, Berlin. 2008 beendete sie ihr Kunstgeschichts- und Ethnologiestudium an der Freien Universität Berlin. Lydia Hamann studierte Kunstgeschichte und Kulturwissenschaften, bevor sie an der Weißensee Kunsthochschule in Berlin bei Katharina Grosse, Antje Majewski und Judith Hopf studierte. Seit 2007 arbeiten Hamann & Osteroth als Malerinnen-Duo und befragen stereotypisierende Zuschreibungen, dominante eurozentristische Fiktionen, eigene Erfahrungen und Spielräume kollektiver Praxis. 2019 nehmen die beiden u.a. an der Ausstellung Histórias Feministas /Feminist Histories im MASP, São Paulo, teil. 2018 waren sie auf der Berlin Biennale vertreten, 2017 mit Feministischer Kunstunterricht bei dem Festival The Future is Female in den Sophiensälen Berlin, 2015 waren sie an der Ausstellung Unter Tage sind wir alle queer in der Kokerei Hansa in Dortmund vertreten.

Alice Peragine (1986) lebt in Hamburg, wo sie bis 2016 bei Michaela Melián an der Hochschule für Bildende Künste studierte. 2010 schloss sie mit einem Bachelor of Arts in Kunstgeschichte /Bildende Kunst an der Universität Greifswald ab. In ihren – häufig kollektiven – performativen Arbeiten beschäftigt sie sich mit dem Verhältnis von Körper und Gender im öffentlichen Raum, mit Machtpolitiken und Strategien der Steuerung durch strukturelle Gewalt und Teilung. In ihren Performances lotet sie den Grad zwischen Alltag und Katastrophe aus. 2019 beschäftigt sie sich in einer Ausstellung im Kunstverein Dresden mit Mobilitäts- und Sicherheitstechnologien, im vergangenen Jahr war sie an dem Forschungsprojekt Dear Humans (TU Dresden mit AltanaGalerie, Dresden) beteiligt wie auch an der Bangkok Biennial. 2016 nahm sie am Hamburger Performance-Festival What Time Is It on the Clock of the World? teil, 2015 an der Ausstellung mit Symposium Don´t touch, touch screen in den Kunst-Werke Berlin. Seit 2016 arbeitet Alice Peragine in verschiedenen Kontexten mit der Corporation of People´s Situations (COPS), so 2019 bei der Transmediale, Haus der Kulturen der Welt, Berlin, 2018 im Künstlerhaus Dortmund, 2017 im Kunstverein Harburger Bahnhof, Hamburg.

Amelia Umuhire (1991) wurde in Kigali, Ruanda geboren und lebt heute als Künstlerin und Filmemacherin in Berlin. 2015 schrieb und verfilmte sie ihre erste Netz-Serie Polyglot, bei der sie in Berlin und London entwurzelte junge Künstler aus Ruanda mit der Kamera begleitete. Die Serie wurde auf zahlreichen Festivals gezeigt, so beim Festival D´Angers, dem Tribeca Film Festival und dem Geneva International Film Festival wo sie 2015 als Best International Web Series ausgezeichnet wurde. Ihr Kurzfilm Mugabo, ist ein experimenteller Kurzfilm, der in Kigali der Frage nachgeht, wie man in seine Heimat zurückkehren und wie mit der Vergangenheit umgehen kann. Er wurde u.a. beim Blackstar Film Festival 2017 als Best Experimental Film ausgezeichnet und tourt derzeit in Nordamerika u.a. am MOCA Los Angeles, MCA Chicago, dem Ann-Arbor Film Festival und dem Smithsonian African American Film Fest. 2018 produzierte Amelia Umuhire das Radio Feature Vaterland für den Deutschlandfunk Kultur, es folgt der Geschichte ihres Vaters Innocent Seminega als junger Student, Lehrer, Ehemann und Vater bis zu seinem Tod in den Händen der Hutu-Extremisten. Im Februar dieses Jahres hatte Amelia Umuhire ihre erste Einzelausstellung bei Decad Berlin.


Erstmals wurde auch für das Jahr 2020 ein internationales Artist Research Fellowship vergeben in Kollaboration zwischen dem Kunsthistorischen Institut in Florenz – Max-Planck-Institut und Villa Romana. Es soll künstlerische Forschung im kunsthistorischen Kontext fördern und ist in 2020 als fünfmonatige Residency veranschlagt. Das Artist Research Fellowship soll in den folgenden Jahren ausgeweitet werden und gemeinsame Studien- und Veranstaltungsformate zwischen dem Kunsthistorischen Institut in Florenz – Max-Planck-Institut und dem Künstlerhaus Villa Romana generieren.

Esper Postma (1988 in Amsterdam geboren, lebt in Berlin) studierte zunächst an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam, dann bei Willem de Rooij an der Städelschule in Frankfurt. In seinen Installationen, Objekten und Videos untersucht er die Spannung zwischen kollektiver Identität und persönlicher Erfahrung und das Paradox, dass jede Form der Repräsentation zugleich eine Form des Ausschlusses darstellt. In seiner Ausstellung 2018 im Stadtmuseum Lindau thematisierte er die ephemere Sexualität mittelalterlicher, biblischer Figuren. Für das Buch European Bodies (2016) untersuchte er gemeinsam mit Maurits Koster in einer langfristigen Recherche Fragen der europäischen Identitätspolitik, beispielsweise anhand eines Kolonialmuseums im Sudan oder mit Textbeiträgen, die angeblich von einer Consulting Firma verfasst wurden. Esper Postma stellte in den letzten Jahren u.a. im Westfälischen Kunstverein Münster, bei Moira, Utrecht, und P/////AKT, Amsterdam aus. Daneben beteiligte er sich mit Talks und Screenings an verschiedenen Konferenzen.


Der Villa Romana-Preis ist mit einem zehnmonatigen Arbeitsaufenthalt im Künstlerhaus Villa Romana in Florenz, einem freien Atelier sowie einem monatlichen Stipendium verbunden. Er wird vom Verein Villa Romana ausgelobt und finanziert mit Mitteln der Deutsche Bank Stiftung, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie weiterer privater Förderer.

Die Villa Romana in Florenz ist ein Ort der zeitgenössischen künstlerischen Produktion und des internationalen Austauschs. Kernaufgabe der Villa Romana ist seit 1905 der Villa-Romana-Preis. Oft wurde er Künstlerinnen und Künstler am Beginn ihrer Karriere verliehen und hat so moderne Kunstgeschichte mitgeschrieben. Mit Ausstellungen, der Zuladung von internationalen Gastkünstlern und einem breiten Spektrum an Veranstaltungen betreibt die Villa Romana den Dialog mit Produzenten und Publikum, platziert sich im internationalen künstlerischen Kontext und fördert die Kommunikation mit den Kulturen des Mittelmeerraums.

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