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Vorschau

29.03.                     24.05.2019

A Bomb to be Reloaded
Alessandra Ferrini

Zur Eröffnung der Ausstellung am Freitag, den 29. März um 19.30 Uhr,

laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein.



Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14 – 18 Uhr und nach Vereinbarung


rosa murales

Ausstellungsansicht, A Bomb to be Reloaded (Chapter 1)

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Ausstellungsansicht, A Bomb to be Reloaded (Chapter 1)

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Ausstellungsansicht, A Bomb to be Reloaded (Chapter 0)

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Ausstellungsansicht, A Bomb to be Reloaded (Chapter 2)

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Ausstellungsansicht, A Bomb to be Reloaded (Chapter 2)

photos: OKNO studio


Programm zur Ausstellung

Samstag, 6. April, 17.30 Uhr
Istituto Ernesto de Martino, Sesto Fiorentino


Buchvorstellung und Diskussion: Vita di Giovanni Pirelli. Tra cultura e impegno militante von Mariamargherita Scotti (Donzelli, 2018). Gespräch mit Kadigia Bove, Schauspielerin, Alessandra Ferrini, Künstlerin, Simonetta Soldani, Historikerin, und Pietro Clemente, Anthropologe



Mittwoch, 17. April, 19.30 Uhr
Villa Romana


Buchvorstellung Italian Colonialism and Resistances to Empire, 1930-1970 von Neelam Srivastava (Palgrave, 2018) mit einem Gespräch zwischen der Autorin, Angelica Pesarini (NYU Florence) und Alessandra Ferrini


Freitag, 24. Mai
Villa Romana


Finissage (Details zum Programm folgen)


A Bomb to be Reloaded ist ein langfristiges Forschungsprojekt, das sich in verschiedenen Kooperationen und Ergebnissen artikuliert. Es untersucht, inwieweit Frantz Fanons Gedankenwelt eine Generation von militanten Intellektuellen in Italien beeinflusst hat, darunter insbesondere Giovanni Pirelli. Nach seiner Tätigkeit im antifaschistischen Widerstand während des Zweiten Weltkriegs verweigerte sich Pirelli, die ihm vorbestimmte Rolle an der Spitze der Familien-Dynastie zu übernehmen. Stattdessen widmete er sein Leben ganz dem kulturellen und politischen Aktivismus. Seine Freundschaft mit Fanon, dessen Arbeiten er übersetzt und in Italien veröffentlicht hatte, führte zur Gründung des Centro di Documentazione Frantz Fanon (CDFF), ein Zentrum für die Erforschung und Unterstützung des dekolonialen und antiimperialistischen Kampfes, das zwischen 1963 und 1967 in Mailand aktiv war. Das Zentrum organisierte Konferenzen, übersetzte und veröffentlichte Berichte und Analysen zu den verschiedenen revolutionären Bewegungen der Zeit und beherbergte darüber hinaus eine beeindruckende Bibliothek mit einer umfangreichen Bücher- und Zeitschriftensammlung.



Die heute aufgesplitterte Sammlung verteilt sich über verschiedene Archive und Widerstandsräume in Mailand: von Archiven des Widerstands gegen den Faschismus bis zu Sozialzentren und Privatsammlungen. Anhand einer gemeinschaftlichen Forschung zu den erhaltenen Objekten der CDFF-Bibliothek und ihrer Standorte – die während eines Workshops mit Studenteninnen und Studenten der Mailänder Kunstakademie ausgeführt wurde – untersucht A Bomb to be Reloaded (Chapter 0), inwieweit dieses Material heutzutage noch von Bedeutung ist. Im Fokus stehen nicht-institutionelle Räume /Aktivistengruppen, die sich des Materials annehmen, sowie internationale Netzwerke, die aus dem CDFF hervorgegangen sind und sich mit den antikolonialen und antiimperialistischen Bewegungen solidarisieren.



Der Titel des Projekts geht auf eine Passage aus dem Film Die Verdammten dieser Erde (1969) von Valentino Orsini (eine Hommage an Fanons gleichnamiges Werk) zurück. Fausto – ein weißer, italienischer Filmemacher – versucht, angetrieben von ethisch und ideologisch begründeter Angst, einen Film zu den Dekolonisationskämpfen im Kongo fertigzustellen, den sein verstorbener Freund Abramo – ein schwarzer, afrikanischer Filmemacher – unvollendet hinterlassen hat. Fausto definiert diese Arbeit als "eine Bombe, die geladen werden muss, um einen lauten Knall zu erzeugen." Dieser Ausdruck fungiert hier als methodischer Kompass, um über das Potenzial einer Re-Aktivierung des historischen Materials nachzudenken und dabei auch das ideologische Engagement zu berücksichtigen, das sowohl dessen Entstehung als auch seine gegenwärtige Erhaltung ermöglicht hat.



Ähnlich wie Fausto, der sich mit der Aufgabe konfrontiert sah, Abramos revolutionärem Werk Tribut zu zollen und es zu erweitern, übernahm Pirelli die Aufgabe, Fanons Vermächtnis weiter zu führen. Die Resonanz des CDFF setzt aus heutiger Sicht betrachtet einen ähnlichen Prozess in Gang und so lassen sich viele Fragen stellen, die Fausto im Film thematisiert. Darüber hinaus bietet die Übernahme von Ästhetik und Ethos des Dritten Kinos durch Orsini sowohl einen visuellen als auch einen methodischen Bezug zum Projekt. In der Ausstellung werden einige der kritischsten Überlegungen des Films mit Giovanni Pirellis selbstreflexivem Schreiben innerhalb der Installation A Bomb to be Reloaded (Chapter 1) in Dialog gebracht.



Als verbindendes Element in der Arbeit fungiert die Schauspielerin und Sängerin Kadigia Bove, die sowohl in Orsinis als auch in der Performance A Floresta e' Jovem e Cheja de Vida (1967) des Komponisten Luigi Nono in Zusammenarbeit mit Giovanni Pirelli erscheint. Die komplexe und vielschichtige Arbeit, die auf Zeitzeugnissen dekolonialer und antiimperialistischer Kämpferinnen und Kämpfer basiert, wurde anhand mehrerer Diagramme entwickelt, die als erweiterte Partitur dienen. A Bomb to be Reloaded (Chapter 2) setzt sich mit dieser Arbeit anhand von Kadigia Boves Erinnerungen auseinander, die auch ihre Erfahrung als italienisch-somalische Frau im Italien der Nachkriegszeit einschließen.


Alessandra Ferrini ist eine in London lebende Künstlerin, Filmemacherin und PhD Kandidatin. Ihre Arbeiten wurden in internationalen Ausstellungen, Filmvorführungen und Konferenzen gezeigt, darunter: Sharjah Film Platform (VAE, 2019), Manifesta 12 Film Programme (Palermo, IT, 2018), 6. Taiwan International Video Art Exhibition (2018 - 19), 16. Rom Quadriennale (Rom, 2016-17), Royal Anthropological Film Festival (Bristol, UK, 2017), Document Film Festival (CCA Glasgow, SC, 2017), A-i- R Wro (Breslau European Capital of Culture, PL, 2016).

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