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Vorschau

12.02.2020

Lesung
Andrea Scrima
A Lesser Day

19.30 Uhr
(in englischer Sprache)


Die in Berlin lebende amerikanische Künstlerin und Schriftstellerin Andrea Scrima liest aus ihrem Roman A Lesser Day, der in einer fragmentarischen Erzählstruktur den Mechanismen des Gedächtnisses und der Verschränkung von Ort und Zeit nachspürt.

Das East Village der frühen Achtzigerjahre; West-Berlin während des Kalten Kriegs; Brooklyn um die Jahrtausendwende: Andrea Scrimas Wie viele Tage beschreibt ein Leben zwischen Kulturen und Kontinenten. Während ihre Freundin in den Peep-Shows der West-Forties von Manhattan arbeitet, kann sich die Erzählerin, eine junge Künstlerin, mit ihrem Job an der Garderobe einer Uptown-Martini-Bar gerade so über Wasser halten. Schließlich führt sie ihr Weg nach Berlin, wo sie sich ein Atelier in einer leeren Fabriketage nah an der Berliner Mauer einrichtet. Vignetteartige Beschreibungen von Figuren, die ihr Leben weit unter der Armutsgrenze und größtenteils am Rand der Gesellschaft fristen, wechseln sich mit Momenten breiterer historischer Tragweite ab. Während sich die Erzählerin mit den Mechanismen des Sich-Erinnerns und des Vergessens auseinandersetzt, spricht sie – auf der Suche nach emotionaler Erkenntnis, die erst an den toten Vater gerichtet ist und dann an eine Mischung intimer Anderer - hin und wieder mit einem sich verschiebenden Du. Bei ihrer Suche, einen Sinn im Vergehen der Zeit zu finden, gilt ihre Aufmerksamkeit den Dingen in unserer Umgebung und der Frage, wie sich die Zeit in sie einschreibt: in die stummen, leblosen Zeugen unserer alltäglichen Existenz.


Andrea Scrima (1960, New York) studierte bildende Kunst an der School of Visual Arts in New York und an der Hochschule der Künste Berlin. Ihr erstes Buch A Lesser Day wurde 2018 von Spuyten Duyvil, Brooklyn, New York in einer zweiten Auflage herausgegeben, zeitgleich mit der viel beachteten deutschen Ausgabe Wie viele Tage (Literaturverlag Droschl, Graz). Scrima schreibt Literaturkritik und Essays, u.a. für 3 Quarks Daily, The Brooklyn Rail, Music & Literature, Quarterly Conversation, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Schreibheft und manuskripte. Sie wurde mit einem Literaturstipendium der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur Berlin ausgezeichnet und war Fellow am von Heinrich Maria Ledig-Rowohlt ins Leben gerufenen Ledig House in New York. Ihr zweiter Roman Like Lips, Like Skins wird 2021 veröffentlicht. Vor ihrer Entscheidung, sich der literarischen Arbeit zu widmen, hat Andrea Scrima viele Jahre als bildende Künstlerin gearbeitet; zuletzt entstanden Text-Rauminstallationen, die auf Kurzgeschichten basierten. Scrima erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Lingener Kunstpreis sowie Künstlerstipendien der Pollock-Krasner Foundation, New York, und der Senatsverwaltung für kulturelle Angelegenheiten Berlin. Ihre Arbeiten waren in internationalen Ausstellungen zu sehen.

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