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Vorschau

27.06.                      14.08.2020

Leonardo Moretti
In coltura

kuratiert von Mattia Lapperier

Zur Eröffnung der Ausstellung am Samstag, den 27. Juni von 14 bis 20 Uhr
laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14 – 18 Uhr und nach Vereinbarung


rosa murales

In coltura ist eine ortsspezifische Installation, die Leonardo Moretti für den Pavillon der Villa Romana geschaffen hat. Dichtes Spitzengewebe breitet sich mit einer quasi pflanzlichen Vitalität in dem verglasten Raum aus und bestimmt so sein Äußeres wie auch seine Integration in die natürliche Umgebung. Die Installation stellt eine Weiterentwicklung von Lace dar, einer Werkserie auf unterschiedlichen Bildträgern, bei der die Spitze – synthetisiert und moduliert in einem Prozess von Wiederholung und Ausdehnung -  die ewige Dialektik von Sein und Schein verkörpert. Dieses ausgeprägt dekorative Element als Sinnbild von Oberflächlichkeit und Frivolität ist ein idealer Auslöser, um über konzeptuelle und inauthentische Bilder nachzudenken, die sich unsere Gesellschaft von sich selbst macht.

Während sich die Spitze im Inneren des Pavillons noch in einem embryonalen Stadium zu befinden und von den Neonröhren am Boden im Wachstum unterstützt zu werden scheint, vergrößert sie sich auf den Wandflächen und verleibt sich den Raum ein - als ob dort ein pflanzlicher Organismus expandieren würde. Ihre freien und nicht vorbestimmten Formen werden kontrastiert von einer präziser farblichen Gestaltung. Blau, Rot und Schwarz stehen für die zeitlichen Dimensionen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wie für  Erinnerung, Vitalität und Tod. Leonardo Moretti versteht die drei Farben als existentielle Metapher, eingefangen im Mikrokosmos des Pavillons. Die Stabilität dieser auf semantischer Ebene klar konnotierten Farben wird indes von den Wettereinflüssen einer harten Probe ausgesetzt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sie schon in den ersten Tagen verblassen und weniger leuchtende Töne annehmen werden. Diese Möglichkeit, durch die sich die gesamte Arbeit unwiderruflich verändern würde, ist willkommener Bestandteil des Werks. Der Ausgang hängt wie bei jeder pflanzlichen Kultur von der Güte des Jahrgangs und also dem Zufall ab. In coltura entzieht sich der völligen Kontrolle, ist ein zur Veränderung bereites Werk, in Form und Inhalt lebendig und dynamisch, in einem offenen Dialog mit dem Raum, der es aufnimmt und von dem es sich nährt.

(Mattia Lapperier)

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