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Vorschau

04.                      18.06.2021

Chiara Bettazzi
Im Großen und Ganzen

kuratiert von Alessandro Sarri

Zur Eröffnung der Ausstellung laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein.
Soft Opening, Freitag, 04. Juni, 16 – 20 Uhr

18 Uhr
Gespräch zwischen dem Philosophen Rocco Ronchi und Alessandro Sarri über die Wirkung der Pareidolie in der Kunst und in Bettazzis Praxis

Limitierter Einlass in die Ausstellung mit Maske und entsprechend der Abstandsregelungen.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14 – 18 Uhr und nach Vereinbarung


rosa murales

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Ausstellungsansichten

Fotos: OKNOstudio


Die heimtückischste Frage - eine Frage, die irgendwie ohne mögliche Antwort bleiben muss, nur weil etwas passiert, etwas erscheint, etwas zur Rechenschaft gezogen wird, das auf eine Dekodierung wartet, eine Bedeutung, die sich jedoch bereits gezeigt hat, ansonsten eine Unmöglichkeit, zur Präsenz zu kommen. Was macht eine sogenannte Präsenz aus? Was erscheint, wenn etwas erscheint?

Könnte die Qual der Identifikation überhaupt etwas zeigen, wenn dieses Etwas nicht schon vor seiner eigenen Erscheinung erkannt worden wäre?  Ist diese Identifikation notwendigerweise mit einer Ähnlichkeit verbunden? Wie sieht also eine Pareidolie aus? Was ist ihr Nutzen?
Eine solche Folge von Fragen liegt dem virtuellen Konzept zugrunde, mit dem die Künstlerin Chiara Bettazzi in den Räumen der Villa Romana ein vieldeutiges visuelles Geflecht mit immersiven und organischen Artikulationen zu entfalten versucht.

Ortsspezifische Operationen verschmelzen mit früheren Arbeiten, deren Keime sich häuten und mit Videos, Fotografien und Installationen in einer prozessualen (und nicht nur rekombinatorischen) Praxis die unaufhörliche Modulation einer unentzifferbaren und zölibatären Konkretheit auslösen, die für etwas steht, das gerade durch ihre eigene Manifestation nicht gegeben ist.

Man könnte meinen, dass es sich bei der Pareidolie um eine Art absolute Referentialität handelt, eine Referentialität, die referentiell bleibt, ohne sich auf eine Latenz oder einen Übergang zuzubewegen oder, anders gesagt, auf das unerschöpfliche Prinzip des Findens und Entbergens.

Wir sprechen von der List, von Strategemen, die eine Fähigkeit zur Befriedigung versichern, im Glauben an eine Strategie der Konturierung, durch die rastlose Suche nach einem identifizierbaren Motiv, das das absolute Ereignis umschreibt, ohne die anonyme Kraft der Pareidolie, die nicht erklärt, sondern entfaltet. Tatsächlich entpuppt sich dieses pareidolische Dispositiv in Bettazzis Werk – weder Ähnlichkeit noch Unähnlichkeit, weder Kopie noch Modell – weit davon entfernt, die Ausarbeitung einer kommenden und zu verhindernden Form zu inszenieren, als die unendliche Vermehrung eines immanenten Prototyps, der nie aufhört, sich im unendlichen Gewimmel einer mimetischen Katastrophe zu entfalten; "die monströse Spontaneität", wie Jean-Paul Sartre sagen würde, einer reinen und unbeweglichen Erscheinung, ohne Anfang, ohne Ende und ohne Ziel, die jede Erscheinung heimsucht, ohne Teil von ihr zu sein und zu werden.

(Alessandro Sarri)


Chiara Bettazzi (1977) lebt und arbeitet in Prato. Ihre künstlerische Arbeit basiert auf der Auseinandersetzung und in direktem Kontakt mit verlassenen industriellen Räumen. Seit Jahren beschäftigt sie sich mit zeitgenössischen Ausdrucksformen in der Industrielandschaft der Region Prato und realisiert Interventionen, die das industrielle und kulturelle Erbe reflektieren. Im Jahr 2005 eröffnete sie das Studio SC17, mit dem sie das Gelände der ehemaligen Bini-Wollfabrik reaktivierte. In ihrer künstlerischen Praxis verbindet sie eine Poetik über Erinnerung und Zeit mit organischen und anorganischen Materialien. Sie hat an Einzel- und Gruppenausstellungen in Museen und privaten Räumen teilgenommen: Museo per bambini, Santa Maria della Scala, Siena (2019), Galleria Nazionale d'Arte Moderna e Contemporanea, Rom (2018 /19), Casa Masaccio, San Giovanni Valdarno (2015), Galleria MOO, Prato (2013), Museo del Tessuto, Prato (2010).

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