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Vorschau

10.11.                      17.12.2021

Life and Herstories (Autobiografie als Dialog)
Helen Cammock und Ottonella Mocellin /Nicola Pellegrini

Ein Zyklus von Ausstellungen, Aktionen und Begegnungen, kuratiert von Daria Filardo

Zur Eröffnung der Ausstellung am Mittwoch, dem 10 November, um 17 Uhr, laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein.


11. November, 16 Uhr
Lecture
Helen Cammock, Ottonella Mocellin und Nicola Pellegrini, Moderation Daria Filardo

13. November, 18 Uhr
Villa Bardini, Costa S. Giorgio, 2-4, 50125 Florenz
Lecture
Rachel Cusk, Schriftstellerin, lebt und arbeitet in Großbritannien
in Zusammenarbeit mit Talk a Villa Bardini (ein Projekt der Fondazione CR Florenz) und La città dei lettori (Literaturfestival, Florenz)

30. November, 18 Uhr
Lecture
Natalia Cangi, Leiterin der Fondazione Archivio Diaristico Nazionale (Stiftung Nationales Tagebucharchiv), Pieve Santo Stefano, Arezzo


Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14 – 18 Uhr und nach Vereinbarung
Limitierter Einlass in die Ausstellung mit Maske. Green Pass erforderlich - entsprechend den aktuellen Anti-Covid Regeln.


rosa murales

Ausstellungsansicht, Helen Cammock, There's a Hole In The Sky Part I, 2016, 19'6'', Video

rosa murales

Ausstellungsansicht, Helen Cammock, Changing Room, 2014, 14', Video

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Ausstellungsansicht, Ottonella Mocellin /Nicola Pellegrini, Generalmente le buone famiglie sono peggiori delle altre, 2010, 21'11'', Video

rosa murales

Ausstellungsansicht, Ottonella Mocellin /Nicola Pellegrini, The Wall Between Us, 2021, 29'3'', Video

Fotos: Ela Bialkowska /OKNOstudio


Life and Herstories (Autobiografie als Dialog) ist ein Zyklus von Ausstellungen, Aktionen und Begegnungen. Er entwirft Reflexionen über den autobiografischen Ansatz als vorwiegend weibliche Praxis, der auf Dialog und anti-heroische Narration, die Schaffung großer und kleiner Gemeinschaften und eine Neuschreibung der offiziellen Geschichte zielt.

Das Subjekt und seine Strategien der Manifestation sind (mindestens) seit Entstehung der Moderne ein Untersuchungsgegenstand. Intern positionierte Perspektiven wurden inzwischen – künstlerisch wie literarisch – assimiliert, besonders nach 1989, als die Erzählung auch jener einbezogen wurde, die bis dahin von der westlichen, dominierenden Welt ausgeschlossen waren. Die autobiografische Form ist keine rein weibliche Domäne, das Projekt möchte keine Geschichte der Unterschiede ausbreiten, sondern einen Blickwinkel anbieten, der es erlaubt, wiederkehrende Ansätze zu erkunden. Die Überlegungen zum "nicht vorgesehenen Subjekt" (Carla Lonzis soggetto imprevisto) und die feministische Forschung von den 1960er Jahren bis heute haben sich eingehend mit der Konstruktion einer anderen Subjektivität im Kontext der vorherrschenden patriarchalischen Kultur beschäftigt: einem Subjekt, das im Gegensatz zu dem von der modernistischen Tradition und Philosophie übernommenen, abstrakten und universalen männlichen Subjekt aufgebaut wurde. Diese Überlegungen haben auch außerhalb autonomer feministischer Kreise und Theorien der Geschlechterdifferenz vielfältige Wirkungen hervorgebracht und zeitgenössischen künstlerische Projekte beeinflusst. Die zweite Ausstellung des Zyklus, der mit der Ausstellung von Chiara Camoni und Stefania Galegati (25.9. - 25.10.) begonnen hat, stellt die Arbeiten von Ottonella Mocellin /Nicola Pellegrini und Helen Cammock vor und untersucht, wie sich autobiografische Erzählungen mit anderen menschlichen Geschichten verflechten, offizielle Geschichte zerlegen und neu schreiben. Die komplexen Narrationen fügen persönliche und kollektive Erinnerungen neu zusammen und bieten eine Erzählung an, die unseren Blick auf die Welt neu ausrichtet. In den Arbeiten der Künstlerinnen erklingen die familiäre und persönliche Narration als Lebensereignisse innerhalb einer größeren Gemeinschaft. Die Form des Dialogs und der Aufbau der Erzählung, der auch über die Montage unterschiedlicher Quellen erfolgt, sind grundlegende Elemente für die Arbeiten der Künstlerinnen; sie bringen eine interne Perspektive zum Ausdruck und bezeugen gleichzeitig die Notwendigkeit, sich der /m anderen zuzuwenden. Sie werfen ein neues Licht auf tief verwurzelte geopolitische Dynamiken, denen eine globale Dimension innewohnt. In den Werken von Mocellin /Pellegrini und Camock kommt eine autobiografische Perspektive zum Ausdruck, die die Alltäglichkeit der Geschehnisse berücksichtigt, anti-heroisch ausgerichtet ist und es erlaubt, durch das Erzählen von Geschichten Geschichte zu machen.
Life and Herstories (Autobiografie als Dialog) umfasst darüber hinaus zwei Veranstaltungen, in denen die Themen der Ausstellung anhand verschiedener Typologien von autobiografischen Texten vertieft werden: Eine Lesung der Schriftstellerin und Essayistin Rachel Cusk, die zu den bedeutendsten Stimmen der zeitgenössischen Literatur gehört, in Zusammenarbeit mit La città dei lettori (Literaturfestival, Florenz) und Talk a Villa Bardini (ein Projekt der Fondazione CR Florenz), bei der die Themen des Projekts in ihrem literarischen Werk (Romane und Kurzessays) erkundet werden, und ein Vortrag von Natalia Cangi, der Leiterin des Tagebucharchivs (Fondazione Archivio Diaristico Nazionale, Pieve Santo Stefano, Arezzo), die von der Bedeutung des Tagebuchformats innerhalb des autobiografischen Erzählers sprechen wird.


Helen Cammock wurde 1970 in London geboren. Sie arbeitet mit unterschiedlichen Medien, darunter Druck, Film, Fotografie, Dichtung, gesprochene Sprache und Gesang. Mit ihren Werken erkundet sie die Rollen, die wir in Krisenmomenten sowohl als Individuen wie als Kollektiv annehmen. Sie nutzt biografische Erfahrungen, um von weitreichenderen strukturellen Themen zu sprechen und untersucht, auf welche Weise das zyklische Wesen von Geschichte und Machtstrukturen unserer Lebensweise zugrundeliegen. Durch die Nutzung verschiedener Stimmen, Register und Dialoge gestaltet ihre Arbeit gebrochene, nicht-lineare Narrationen, die die Bedingungen für eine andere Denkweise schaffen. Cammock wurde 2019 mit dem Turner Prize ausgezeichnet und hat den 7. Max Mara Art Prize for Women erhalten.

Natalia Cangi, die Direktorin des Nationalen Tagebucharchivs, war von 1995 bis 2010 Mitglied des Vorstands der Stiftung und von 2005 bis 2009 Vorstandsvorsitzende. Neben leitenden und organisatorischen Aufgaben in unterschiedlichen Bereichen, widmet sich Natalia Cangi weiteren wissenschaftlichen und redaktionellen Tätigkeiten: Sie ist Mitglied des Verlagskomitees des Archivio diaristico, Redaktionsmitglied der Zeitschrift Primapersona-percorsi autobiografici, Mitglied des wissenschaftlichen Komitees des Projekts DIMMI Diari Multimediali Migranti und Mitglied der künstlerischen Leitung des Premio Pieve sowie Kuratorin des Piccolo Museo del Diario.

Rachel Cusk, Schriftstellerin und Essayistin, wurde 1967 in Kanada geboren. Sie lebt und arbeitet in Großbritannien und hat mehrere Romane und Essays veröffentlicht. Ihre 2015 begonnene Trilogie bekräftigt sie als eine der innovativsten und bedeutendsten Stimmen der internationalen Literatur. Der erste Roman des Zyklus, Outline, ist 2016 bei Suhrkamp erschienen, während der zweite (In Transit) 2017 und der dritte, Kudos, 2018 erschienen sind. Suhrkamp hat auch Über das Mutterwerden (2019) sowie weitere Werke von Cusk veröffentlicht.

Ottonella Mocellin und Nicola Pellegrini wurden 1966, bzw. 1962 in Mailand geboren. 1984 zogen sie nach London, wo sie bis 1993 blieben, und Öffentliche Kunst und Architektur an der Chelsea School of Art und der Architectural Association studierten. Seit 2012 leben sie mit ihren beiden Kindern Rosa Dao und Tito in Berlin. Ihre künstlerische Arbeit, in deren Mittelpunkt das Thema Identität steht, untersucht die emotionale und konfliktgeladene Natur von Beziehungen. Bei ihren gemeinsamen Projekten erforschen sie mittels Fotografie, Video, Stimme, Klang, Text, Stickerei, Zeichnung und Performance die Grenzbereiche von Narration und Identität, Erinnerung und – individueller und kollektiver – Geschichte, Biografie und Autobiografie. 2020 waren sie unter den Gewinnern des achten Wettbewerbs des Italian Council.


In Zusammenarbeit mit Talk a Villa Bardini und La città dei lettori

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