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Ausstellungen

23.10.                     20.11.2020

MAI. Museo Antropologico Immaginario

Gabriela Acha, Gian Piero Frassinelli, Marcela Moraga

Zur Eröffnung der Ausstellung laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein.

Soft Opening, Freitag, 23. Oktober, 17 – 21 Uhr
18.30 Uhr
Begrüßung und Einführung
Angelika Stepken und Valeria D'Ambrosio, Kuratorin
19 Uhr
Performance
Gabriela Acha mit Sara Bensi, Serena Calaresu, Giada Cerbara, Simona Dominici, Rita Duina, Caterina Fioravanti, Simona Sora

jeden Freitagabend um 18 Uhr
Filmprogramm in Kollaboration mit dem Festival dei Popoli

Limitierter Einlass in die Ausstellung mit Maske und entsprechend der Abstandsregelungen.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14 – 18 Uhr und nach Vereinbarung


rosa murales

Gian Piero Frassinelli, Torre degli uffici amministrativi, 1966 - 68


Welche Bedeutung hat ein anthropologisches Museum für die heutige Gesellschaft? Was bedeutet es heute, ethnographische Artefakte zu sammeln und auszustellen? Wie geht man mit den aktuellen Herausforderungen der Dekolonisierung und der Restitution von Objekten um oder der Wiederbelebung einer Institution, deren statische Natur mit den Dynamiken gesellschaftlicher Entwicklungen nicht Schritt halten kann? Museen gelten als unantastbare Einrichtungen der westlichen Kultur und sind nach wie vor Orte einer hegemonialen Vision, die oft mit dem Ausdruck von Überlegenheit gegenüber anderen Kulturen einhergeht. Als Antwort auf diese kritische Beobachtung verfolgt das Imaginäre Anthropologische Museum (MAI. Museo Antropologico Immaginario) eine Strategie der interkulturellen Zusammenarbeit und hinterfragt das Konzept des anthropologischen Museums über die Entwicklung neuer partizipativer Methoden.

Das MAI ist ein multidisziplinärer Raum, in dem zeitgenössische Kunst, Architektur und Anthropologie in einen Dialog treten – Disziplinen, die ihren Ausgangspunkt im kreativen Ausdruck menschlicher Erfahrungswelten haben. Inspiriert von der ersten Argentinienreise von Paolo Mantegazza, dem Gründer des Museums für Anthropologie und Ethnologie in Florenz im Jahr 1869, legt das MAI seinen Schwerpunkt auf die indigenen Gemeinschaften des chilenischen und argentinischen Patagoniens. Die visionären Werke des Superstudio-Architekten Gian Piero Frassinelli, von seinen ersten unveröffentlichten Werken aus den 1960er Jahren bis hin zu den neueren Entwicklungen literarischer Science-Fiction, treffen in diesem geographischen Rahmen auf die Multimedia- und Performance-Kunst der argentinischen Künstlerin Gabriela Acha, deren Ziel die feministische Wiederaneignung ist, und auf die, zwischen Realität und Fiktion oszillierenden, audiovisuellen Erzählungen der chilenischen Künstlerin Marcela Moraga.

In diesem Fantasiemuseum, befreit von seinen institutionellen Zwängen, wird Kreativität zu einer Sprache, die statischen Vorstellungen einen transkulturellen Austausch entgegenstellt, die Objekterzählungen entwickelt und indigene Gemeinschaften in neuem Licht betrachtet. Es ist der Versuch, ein alternatives, tieferes Verständnis der Welt anzubieten, das von den Beziehungen zu anderen seinen Ausgang nimmt. Tatsächlich ist das MAI kein bloßer Aufbewahrungsort von Wissen und stummen Objekten, sondern ein Ort der Erforschung menschlicher Verbindungen - ein Kontaktraum. Es fordert dazu auf, seine Sammlungen neu zu entdecken und ihnen neue Bedeutungen zu verleihen, die auch auf gegenwärtige Fragestellungen Bezug nehmen. Architektur und Kunst werden, entgegen einer objektivierenden Distanz wissenschaftlicher Disziplinen, als Praxen verstanden, die sozialen Raum erzeugen und Interaktionen mit dem Anderen hervorbringen. Sie tragen dazu bei, dass neue Narrative intellektueller Erforschung und Ideen entwickelt werden können und sich neue Gemeinschaften bilden.

Das MAI verwandelt das Konzept des anthropologischen Museums von einem repräsentativen Ort in einen prozesshaften sozialen Raum, um uns daran zu erinnern, dass es in erster Linie ein produktiver Ort ist, der nicht nur die bestehende Realität bewahrt und beschreibt, sondern auch neue Umgebungen generiert, in denen gedacht, gehandelt und interagiert werden kann.


Gabriela Acha (geb. 1986 in Cordoba, AR), schloss 2014 ihr Studium der Bildhauerei an der Nationalen Universität von Cordoba ab. Seit 2014 ist sie Teil des Kollektivs Expedicion, das mit einem interdisziplinären Ansatz Kunst und Naturwissenschaften verbindet. Als Gewinnerin des niederländischen Exzellenzstipendiums erwarb sie 2020 einen Master in Kunstwissenschaft an der Royal Academy of Art in Den Haag, NL. Sie hat mit zahlreichen wissenschaftlichen Institutionen wie dem Museo Nacional de Historia Natural in Uruguay und Chile, der Academia Nacional de Ciencias in Cordoba, Argentinien, und dem Museo di Antropologia ed Etnologia in Florenz, Italien, zusammengearbeitet.

Gian Piero Frassinelli (geb. 1939 in Porto San Giorgio, IT) ist seit seiner frühen Kindheit von anderen Kulturen fasziniert. Das Interesse reifte im Laufe der Zeit durch Bücher, den Besuch des Anthropologischen Museums von Florenz, der Nationalbibliothek und des Festival dei Popoli. Er schloss 1968 sein Architekturstudium in Florenz ab und trat im selben Jahr dem Kollektiv Superstudio bei, das Teil der als Radikale Architektur bekannten Bewegung war und sich 1986 auflöste. Sowohl mit Superstudio als auch in der Zeit danach beschäftigt er sich mit der Analyse von Architektur mit den Methoden der Anthropologie. Von 2013 bis 2018 hielt er Kurse in Anthropologie am Europäischen Institut für Design in Rom.

Marcela Moraga (geb. 1975 in San Fernando, CL) lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte Bildende Kunst an der Universidad de Chile und an der Hochschule der Künste Hamburg (HFBK). Im Jahr 2013 erhielt sie ihren Master-Abschluss Kunst im Kontext an der Universität der Künste Berlin (UDK). Ihre Werke wurden unter anderem in Galerien, Museen und internationalen Institutionen ausgestellt, darunter im Museo de Arte Contemporáneo MAC Santiago, CL, dem Museo de Arte Contemporânea da Universidade de São Paulo, BR, TENT Centre for the Arts Rotterdam, NL. 2019 erhielt sie den Villa Romana-Preis.


Filmprogramm

Das Archiv des Festival dei Popoli präsentiert im Rahmen der Ausstellung eine Reihe von Dokumentarfilmen zu den Themen des MAI Museo Antropologico Immaginario. Sechs ausgewählte internationale Produktionen befassen sich mit der gegenwärtigen Rolle und möglichen zukünftigen Konzepten des anthropologischen Museums. Sie schlagen neue Ansätze vor, die Kulturen und Gemeinschaften zusammenbringen und Traditionen mit den Herausforderungen der Gegenwart in einen Dialog setzen.


Freitag, 30.10.2020
18 Uhr

Palimpsest of the Africa Museum
Matthias De Groof, BE, 2019, 69'

Freitag, 06.11.2020
18 Uhr

Le terrain du peuple
Anja Göbel, DE, 2015, 34'
Abigail
Valentina Homen, Isabel Penoni, BR, 2016, 17'
Extremos - Viaje a Karukinka
Federico Molentino, Juan Manuel Ferraro, AR, 2015, 26'

Freitag, 13.11.2020
18 Uhr

El país del diablo
Andrés Di Tella, AR, 2008, 72'

Freitag, 20.11.2020
18 Uhr

El etnógrafo
Ulises Rosell, AR, 2012, 85'


Mit großzügiger Unterstützung von

In Kooperation mit

     

Unter der Schirmherrschaft von

     

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