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Die einsamen Inseln im Mittelmeer

Ein Projekt von Amedeo Martegani, Armin Linke, Giovanna Silva, Giuseppe Ielasi, Renato Rinaldi, Giulia Di Lenarda

 

20.05. – 19.06.2009

 

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 15 – 19 Uhr und nach Vereinbarung  

Villa Romana FlorenzIsole deserte Villa Romana Florenz

Ein Recherche, die mittels Fotografien, Zeichnungen, Audio- und Videomaterial von den Orten, Klängen und Verhältnissen der einsamen Inseln im Mittelmeer erzählt.

  

Über zweihundert menschenleere Inseln sind gezählt worden. In der Villa Romana werden erstmals die Materialien präsentiert, die während der ersten beiden Reisen ins dodekanische und ionische Meer gesammelt wurden. 

 

„Die Geographen sagen, es gebe zwei Arten von Inseln. Die kontinentalen Inseln sind akzidentelle, abgedriftete Inseln: sie sind von einem Kontinent abgetrennt, entstanden aus einer Abspaltung, einer Erosion, einem Bruch, sie überleben den Untergang dessen, was sie festhielt. Die ozeanischen Inseln dagegen sind ursprüngliche, wesentliche Inseln: manche tauchen langsam empor, andere dagegen verschwinden und kehren wieder, und man hat gar keine Zeit sie zu annektieren. Diese beiden Arten von Inseln zeugen von einem tiefen Gegensatz zwischen dem Ozean und der Erde. Die einen erinnern uns daran, dass sich das Meer auf der Erde befindet und sich die geringfügigste Absenkung der höchsten Strukturen zunutze macht; die anderen, dass die Erde noch immer vorhanden ist, unter dem Meer, und ihre Kräfte sammelt, um die Oberfläche zu durchstoßen. Gestehen wir ein, dass im allgemeinen die Elemente einander verabscheuen, dass ihnen voreinander graut.

 

Die Insel, erst recht die einsame Insel sind aus der Sicht der Geographie äußerst arme oder schwache Begriffe, sie haben nur einen geringen wissenschaftlichen Gehalt. Das gereicht ihnen zur Ehre. In der Gesamtheit der Inseln gibt es keinerlei objektive Einheit. Noch weniger bei den einsamen Inseln. Zweifellos kann eine einsame Insel einen extrem kargen Boden haben. Als einsame Insel kann sie eine Einöde sein, aber nicht notwendigerweise. Wenn die wahre Einöde unbewohnt ist, dann insofern, als sie nicht die Bedingungen aufweist, die das Leben ermöglichen, sei es pflanzliches, tierisches oder menschliches Leben. Dass dagegen die einsame Insel unbewohnt ist, bleibt ein Faktum, das allein von den Umständen, d.h. von der Umgebung abhängt. Die Insel ist das, was vom Meer umgeben ist. Was einsam ist, ist der Ozean ringsum. Nur infolge der Umstände fahren die Schiffe in der  Ferne vorbei und legen nicht an.“

(Aus: Gilles Deleuze, Die einsame Insel und andere Texte: Texte und Gespräche 1953-1974, Frankfurt/M 2003)

Villa Romana Florenz 

Die Ausstellung wird von einer ersten Publikation begleitet:
 
LE ISOLE DESERTE DEL MEDITERRANEO/ DESERTED ISLANDS OF THE MEDITERRANEAN
Auflage 500
176 Seiten, Format: 24x30cm
zahlreiche Illustrationen in schwarz/weiß
Texte: Alessandro Petti und Gilles Deleuze
Karte: MIT Seansable City Lab
Vinyl Record 45 U/min, ca. 9 min
a+mbookstore edizioni, Mailand, 2009
ISBN978-88-87071-19-1
www.desertmed.org

 

 

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