Three Women in Florence

Three Women in Florence
Lecture von Julia Voss
9. April 2026
18:30

Via Senese 68, Florenz

Im Rahmen des öffentlichen Programms In der Zwischenzeit. Villa Romana Preisträger*innen 2026 freuen wir uns sehr, Julia Voss zu einer Lecture in der Villa Romana begrüßen zu dürfen. Anlass ist auch der inspirierende Austausch, den wir inden vergangenen Monaten im Rahmen der Publikation Villa Romana 1905–2025. An Artists’ House in Flux, In Time mit ihr führen konnten. Ihr Beitrag zum Band sowie ihre Forschungen zu Emy Roeder und zu Hans Purrmanns künstlerischem Umfeld eröffnen wichtige Perspektiven auf Florenz als Ort künstlerischer Entwicklung, geprägt von Exil, Experiment und Formen der Resilienz. Voss’ Arbeit macht deutlich, wie künstlerische Biografien mit historischen Umbrüchen verflochten sind, und eröffnet zugleich den Blick auf die Villa Romana als lebendigen Ort künstlerischer Positionierung im Laufe der Zeit.

Die Lecture Three Women in Florence widmet sich drei zentralen Figuren aus Voss’ aktueller Forschung: Hildegard von Bingen, Hilma af Klint und Emy Roeder. Alle drei sind auf unterschiedliche Weise mit Florenz verbunden und eröffnen jeweils eigene Perspektiven auf künstlerische Praxis als Form der Wissensproduktion. Über eine historische Handschrift ihrer Physica, aufbewahrt in der Biblioteca Medicea Laurenziana, sind Hildegard von Bingens visionäre Schriften und naturwissenschaftlichen Untersuchungen mit Florenz verknüpft. Sie verweisen auf eine lange Tradition künstlerischer und intellektueller Experimentierweisen, die disziplinäre Grenzen überschreiten.

Diese Perspektive lässt sich auch auf die seit 2023 in der Villa Romana gemeinsam mit den Künstler*innen des Hauses entwickelte Auseinandersetzung mit Heilpflanzen und ökologischen Wahrnehmungsformen übertragen. Dabei werden Kultivieren und Pflegen als künstlerische Praxis sowie als Form des Erfahrens und Entwerfens möglicher Welten verstanden.

Hilma af Klints Auseinandersetzung mit spirituellen Kosmologien und diagrammatischen Formen eröffnet die Möglichkeit, Abstraktion nicht nur als formale Innovation, sondern zugleich als Instrument zur Erforschung unsichtbarer Weltstrukturen zu verstehen. Dass Hilma af Klint Florenz im Jahr 1903 besuchte, nur ein Jahr bevor sie ihren zentralen Werkzyklus Paintings for the Temple begann, eröffnet zudem eine anregende Verbindung zwischen künstlerischer Transformation, Reiseerfahrung und der Begegnung mit historisch vielschichtigen Orten.

Emy Roeders Aufenthalt in Florenz, geprägt von Exil und historischen Umbrüchen, rückt künstlerische Praxis in einen weiteren Zusammenhang von Persistenz, Transformation und situierten Formen des Widerstands.

Anstatt diese Figuren aus einer von der künstlerischen Praxis getrennten theoretischen Perspektive zu betrachten, versteht Julia Voss Forschung selbst als eine Form künstlerischen Denkens. Hildegards kosmologische Imagination, af Klints visuelle Diagramme und Roeders skulpturale Forschungen zeigen, wie künstlerische Praxis als Modus der Weltbildung verstanden werden kann, getragen von Intuition, Experiment und verkörpertem Wissen. In diesem Sinne steht die Lecture in enger Verbindung mit der Atmosphäre des Künstlerhauses, in dem Denken und Machen, Reflexion und Praxis untrennbar miteinander verbunden sind.

Die Lecture schließt mit einem performativen Moment: einer gemeinsamen Lesung mit Philipp Deines aus seiner Graphic Novel The Five Lives of Hilma af Klint (David Zwirner Books). Die Transformation der Lecture in eine performative Lesung entspricht dem Interesse der Villa Romana an Formaten, in denen Forschung und künstlerische Praxis in Dialog bleiben und historische Figuren als gegenwärtige Gesprächspartnerinnen für künstlerisches Denken erfahrbar werden.

Durch die Verbindung unterschiedlicher Zeitlichkeiten und Wissensformen lädt ThreeWomen in Florence dazu ein, darüber nachzudenken, wie künstlerische Forschung sich zwischen Archiv, Intuition und Praxis bewegt, und wie Figuren aus anderen historischen Momenten weiterhin neue Formen der Wahrnehmung, der Imagination und der künstlerischen Produktion inspirieren können.

Julia Voss ist Kunsthistorikerin, Kunstkritikerin und Kuratorin. Seit 2021 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Präsidialbereich des Deutschen Historischen Museums (DHM) in Berlin; seit 2015 ist sie Honorarprofessorin für Kunstgeschichte an der Leuphana Universität Lüneburg. Von 2007 bis 2017 leitete sie das Feuilleton-Ressort Kunst der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Zu ihren Büchern zählen „Darwin’s Pictures. Views of Evolutionary Theory“ (2010), „Hilma af Klint. A Biography“ (2022) sowie „Hilma af Klint and Wassily Kandinsky“ (mit Daniel Birnbaum, 2026). Für ihr schriftstellerisches Werk wurde sie mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa ausgezeichnet. Zuletzt kuratierte sie die Ausstellung „Natur und deutsche Geschichte. Glaube – Biologie – Macht“ am DHM sowie „Hilma af Klint and Wassily Kandinsky: Dreams of the Future“ (mit Daniel Birnbaum) in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.

Philipp Deines ist Künstler, Illustrator und Grafikdesigner. 2015 veröffentlichte er gemeinsam mit Julia Voss Behind the White Cube (Merve Verlag). 2020 erhielt er das Berliner Comic-Stipendium, und seine Arbeiten wurden im Museum für Kommunikation Berlin ausgestellt. 2021 wurden seine Werke bei Grisebach in Berlin in der Ausstellung Stu-stu-stu-studioline gezeigt. The Five Lives of Hilma af Klint (2022) ist seine erste Graphic Novel. Er lebt und arbeitet in Berlin.

In sozialen Netzwerken teilen

Träger der Villa Romana und des Villa Romana-Preises ist der Villa Romana e.V.
Hauptförderer ist die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien
Weitere Förderer sind die Deutsche Bank Stiftung, die BAO-Stiftung sowie projektbezogen zahlreiche Privatpersonen, Unternehmen und Stiftungen aus der ganzen Welt.

Das Kunsthistorische Institut in Florenz – Max-Planck-Institut (KHI) bietet eine kontinuierliche institutionelle Zusammenarbeit an und führt jährlich eine Forschungsarbeit mit einem der Villa-Romana-Preisträger*innen durch.

Villa Romana e.V. wird gefördert von:

Keine Artikel gefunden.